Weihnachten 2011
Weihnachten 2011
Herolde verkündeten einst das eu-angelion, die freudige Nachricht aus dem Königshaus, dass ein Königssohn geboren ward, ganz besonders bei der Erstgeburt. Das ganze Volk sollte sich mitfreuen, teilhaben an dem außergewöhnlichen Ereignis der besonderen Geburt.
Aus der Königsstadt Béit Lèhèm kommt genau diese Königsbotschaft. Hört, so rufen die Herolde, hört alle her! Wir verkünden Euch große Freude für das ganze Volk: der Mashiah, christos Kyrios, König und Retter, ist heute zur Welt gekommen.
Wahrlich, dies ist mehr als eine gute Nachricht, mehr als good news in Zeiten vieler bad news. Mehr aber auch als klassische Königsbotschaften, kommt doch der Engel-Herold direkt vom Herrn des Himmels, kommen doch mit ihm himmlische Heerscharen, die den Frieden allen verkünden, die nach dem heiligen Willen Adonais leben wollen.
Noch klingt den Hirten auf dem Felde die frohe Botschaft in der Sprache der Tradition in den Ohren. Doch auf ihrem Weg zur Krippe muss ihnen immer klarer werden, dass diese Worte, unsere Begriffe und Kategorien, unsere Vorstellungen von Raum und Zeit, Form und Inhalt, bei Weitem nicht ausreichen, um zu verstehen, was geschehen ist. Raumgrenzen werden aufgehoben, denn Himmlisches und Irdisches vermischen sich: Wort wird Fleisch, Gott wird Mensch. Das Übernatürliche findet seinen Platz in der Natur. Was von außen erschallt, lässt die Hirten im Innern erzittern. Die Freude von oben breitet sich hier unten aus. Die Krippe, für die Tiere gedacht, dient dem göttlichen Kind. Das Dunkel der Nacht bringt das größte Licht hervor.
So ist nichts mehr wie zuvor; eine neue Zeit bricht an. Dieses grundstürzende Ereignis hätte im Gemeinderaum in Béit Lèhèm gar nicht Platz finden können. Aus einer engen Herberge mit einem Eckchen für Miriâm und Iosseph hätte gar keine neue, alles berührende Welt in Ieshoua‘ entstehen können. Diese Welt braucht unbegrenzte Weite.
Miriâm, die unter ihrem Herzen den trug, den die ganze Welt nicht zu fassen vermag, nimmt all dieses in ihr Herz auf, bewahrt es und versucht, in der Meditation das Unfassliche zu begreifen – wie die Hirten, wie wir alle: Was für ein eu-angelion!
Mehr als nur good news in Zeiten vieler bad news:
Das euangelion, die Frohe Botschaft, übertrifft alle guten Nachrichten so sehr, dass wir nur in einem neuen, vom Glauben gestifteten Denken versuchen können, sie zu erfassen.
euangelion
Sonntag, 18. Dezember 2011
Rechts: Der selbst im Haus des Kornes und Brotes, in Béit Lèhèm, in der Krippe lag, gibt sich auf dem Altar zur Speise.