Lukas
Lukas
„Ei-ne-In-sel-mit-sechs-Kir-chen…“ könnten junggebliebene Fans von Jim Knopf und Lummerland beim Gedanken an die Pfarre St. Lukas in Düren vorsichtig vor sich hin summen – vorsichtig, denn man weiß ja nie, wer gerade zuhört. Als jedenfalls im Jahr 2009 die neue Struktur von König… pardon, Bischof Heinrich in Aachen verkündet wurde, gab es ein vielstimmiges Grummeln, keine Begeisterung. Doch zwei Jahre nach der Erhebung zur neuen Pfarre am 2. Januar 2010 könnten wir mit gereiftem Verstand versuchen, mit Lukas ins Reine zu kommen. Was ist aus Kummerland geworden?
Zwei Geschichten für ein Kinderherz: Wem Jim Knopf vorgelesen wurde, die Geschichte von dem Paket mit dem kleinen schwarzen Jungen, das der Postbote ganz unerwartet nach Lummeland brachte, der wird sich an sein bald ängstlich schlagendes, bald vor Freude hüpfendes Herz erinnern und heute aus der Sicht des Erwachsenen erkennen, dass der Drache Frau Mahlzahn eine Figur aus dunkler deutscher Geschichte darstellt. Mit Weihnachten verbinden wir den Bericht von der Geburt Christi aus dem Lukasevangelium; und weltweit hüpfen auch dabei Kinder- und Erwachsenenherzen jedes Jahr vor Freude. Der kindlichen Freude beim Hören des Lukasevangeliums wird nichts genommen, wenn wir auch hier aus der Erwachsenen-perspektive noch einmal genauer nachschauen, was uns der Evangelist an froher Botschaft mitteilt.
Lukas lädt uns auf die weiteste Evangelien-Reise ein: von Palästina bei Zacharias und Elisabeth bis nach Rom als Begleiter des Apostels Paulus. In der Genealogie der Taufgeschichte Jesu weitet er unseren Blick für eine vieltausendjährige Zeitleiste von Adam und sogar Gott, dem Schöpfer, bis zum Ziel der Geschichte, zu Jesus, Alpha und Omega.
Der Lukaszug transportiert „Sondergut“. So formuliert Papst Benedikt XVI. in seinem Jesusbuch – natürlich ohne Hinweis auf den zu Land und zu Wasser ebenfalls weit gereisten Namensvetter des Evangelisten. Nur im Lukaszug hat sich neben den berühmten 12 Aposteln zusätzlich eine Jüngergruppe mit der ebenfalls symbolischen Zahl von 70 Jüngern auf Reise begeben (sie repräsentieren die Zahl der Weltvölker; dazu gibt es zwei Freifahrscheine für die verbleibenden Gelehrten der Septuaginta). In eigenen Wagons reisen außerdem viele Frauen mit, darunter Damen, die sich auch ein Ticket in der 1. Klasse hätten leisten können, es jedoch vorzogen, der Gemeinschaft der Gläubigen zu dienen. So finden auch viele Arme im Lukaszug Platz, die ohne Spende zurückgeblieben wären. Überhaupt erweist sich der Lukaszug als Zug der Toleranz, nimmt er doch nicht nur Menschen mit neuem Wein in neuen Schläuchen mit sondern zeigt auch Verständnis für diejenigen, die beim alten Wein bleiben wollen.
Und schließlich überbringt uns Lukas eine ganz besondere Einladung von Jesus unter dem geheimnisvollen Titel „synalizómenos“. Es ist dies eine besondere Vokabel vom Anfang der Apostelgeschichte, wo ja berichtet wird, wie sich Christus an den vierzig Tagen von Ostern bis zu seiner Himmelfahrt seinen Jüngern zu sehen gab, zu ihnen sprach und mit ihnen – synalizómenos – Mahl hielt. Unser Papst unterstreicht die wörtliche Bedeutung dieses Ausdrucks: „Salz mit ihnen essend“. Er erinnert daran, dass im Alten Testament „…gemeinsames Genießen von Brot und Salz oder von Salz allein feste Bündnisse (stiftet)“. Wenn Lukas an der prominenten Stelle des Anfangs der Apostelgeschichte diesen Ausdruck verwendet, können wir Wesentliches lernen: „Der Herr zieht die Jünger neu in die Bundesgemeinschaft mit sich und mit dem lebendigen Gott hinein. Er gibt ihnen Anteil am wirklichen Leben, macht sie selbst zu Lebendigen und würzt ihr eigenes Leben mit der Anteilnahme an seiner Passion, an der reinigenden Kraft seines Leidens.“ –
Kehren wir aus der großen Welt zurück nach Lummerland Hbf, auf den das kleine Volk von König Alphons dem Viertel-vor-Zwölften so stolz ist. London trumpft zwar mit dem Eisheiligen-Bahnhof St. Pancras auf, nicht zuletzt für Harry-Potter-Begeisterte; Paris ehrt trotz aller Trennung von Staat und Kirche Lazarus mit dem Nordwestbahnhof Saint-Lazare … und die Insel Dürenland hinter den Eifelbergen? Sie könnte – wie gezeigt – trotz kleinem Bahnhof auf ihren Lokführer, Kapitän, Arzt und Evangelist St. Lukas mit Recht stolz sein und darauf vertrauen, dass sich in einem kleinen Paket manchmal Großes verbirgt.
Lukas,
der Lokomotivführer
Samstag, 14. Januar 2012